Josef Althaus ist Dozent für technische Mechanik am NTB in Buchs. Das ist aber nur eine Seite seiner Person. Ein ebenso grosser Teil in ihm ist leidenschaftlicher Musiker. Abends und am Wochenende und wann immer er Zeit findet.
Mirja Keller, Werdenberger&Obertoggenburger, 13.12.2014Buchs. «Wie kommen die Obertöne vom Alphorn zustande?» Oder: «Wie schwingt die Saite von einem Instrument?» Diese Fragen pflegt Josef Althaus seinen Studenten gerne hie und da zu stellen. Und lässt damit in den Vorlesungen am NTB für einen kurzen Moment seine Leidenschaft für die Musik durchsickern. Ansonsten ist der erfahrene Dozent aber stets darauf bedacht, Hobby und Beruf nicht zu mischen. Es sind für ihn zwei verschiedene Welten. Zwei Welten mit einer kleinen Verbindungsbrücke.
Akkordeon und Schwyzerörgeli
Von Kindesbeinen an schlägt Althaus’ Herz für die Musik, vor allem für die Volksmusik. Mit fünfzehn beherrschte er schon Flöte, Akkordeon und Zither, später kam das Schwyzerörgeli dazu. Letzteres schien Vorsehung gewesen zu sein, wenn man bedenkt, dass es Josef Althaus einige Jahre später in die Schweiz zieht, wo er an der NTB für die Studienrichtung Maschinenbau zuständig ist und ab Januar das Institut für Entwicklung mechatronischer Systeme leitet.
Aufgewachsen ist der begeisterte Musiker jedoch im deutschen Allgäu, wo er auch mit seiner Familie lebt – jedenfalls am Wochenende. Werktags arbeitet und wohnt der Hochschuldozent in Buchs. Und in den freien Abendstunden widmet er sich seiner Leidenschaft, welche ihm in die Schweiz gefolgt ist: Dem Musizieren und Komponieren.
Die Logik in der Musik
Die Beschäftigung mit der Musik bringt für den studierten Maschinenbauer den idealen Ausgleich, nur schon, weil sie gewissermassen einen Gegenpol zu seiner Arbeit bildet. Während nämlich seine Tätigkeit als Mechanikdozent vor allem logisches Denken erfordere, bestehe die Musik für ihn aus Emotionen und Ausdruck, wie er erklärt.
«Natürlich ist die Musik auch sehr logisch», weist Althaus auf eine der Verbindungen hin und ergänzt: «Man kann zum Beispiel mit Formeln begründen, weshalb ein Dreiklang schön tönt. Aber daran denke ich nicht, wenn ich Musik mache.»
Dann nämlich gewinnt der Künstler in Josef Althaus die Überhand und lässt den Wissenschaftler für eine Weile in den Hintergrund treten. Mit seiner Begeisterung für die Volksmusik ist er im Hause Althaus nicht allein: Auch seine Frau und die drei Töchter teilen seine Leidenschaft. Zusammen mit ihnen, seiner Schwester und deren Sohn entstand die Familienmusik Althaus, die mit Geigen-, Harfen- und Akkordeonklängen sowie mit ihrem Gesang manches Herz erwärmt.
«Feldforschung» bei Dirigenten
Seit einem Jahr ist Josef Althaus ausserdem Dirigent der Musikgesellschaft Oberschan. Eine neue Herausforderung für den erfahrenen Musiker: «Ich habe vorher noch nie ein Orchester dirigiert. Um mir das nötige Wissen anzueignen, habe ich deshalb einen Intensivkurs besucht.»
Damit war die Ausbildung aber noch nicht abgeschlossen: Vieles musste sich der Hobbymusiker im Selbststudium erwerben. Um seine theoretischen Kenntnisse zu vertiefen, betreibt Althaus eine Art «Feldforschung»: Seit er selbst Dirigent ist, besucht er Konzerte nicht mehr nur zum Genuss, sondern auch zur persönlichen Weiterbildung: «Ich beobachte die Handbewegungen der Profi-Dirigenten und versuche beim Zuschauen von ihnen zu lernen», erklärt Althaus seine Methode.
Mit viel «Schlonz» bei der Sache
Als Dirigent ist Josef Althaus vor allem für die Einstudierung der Stücke und die musikalische Koordination der Musiker zuständig, oder wie er selbst sagt: «Ich kümmere mich um den nötigen Schlonz». – Ein Ausdruck im allgäuischen Dialekt für «Schwung».
Ordentlich Schwung in sein Leben bringen auch die Auftritte mit der Familienmusik Althaus, wofür an den Wochenenden geprobt wird. Viel Zeit bleibt da nicht um die Füsse hochzulegen. Kein Problem für Josef Althaus: «Ich habe die Musik nie als Stress empfunden. Auch wenn wir an einem Wochenende mehrere Auftritte haben, am Montag bin ich ausgeruht.»